Botschaften aus dem Pflegealltag

Veröffentlicht am 20.08.2021 in Ortsverein

Bundestagsabgeordnete Heike Baehrens von der SPD in der Tagespflege St. Johannes, einer Einrichtung der Vinzenz von Paul gGmbH Soziale Dienste und Einrichtungen: Nicht alles liegt an der Bundespolitik

 

Einige Anmerkungen aus der Pflegepraxis direkt in den Bundestag nach Berlin schicken: Diese Chance bot sich kürzlich in der Tagespflege St. Johannes in Wäschenbeuren. Heike Baehrens, Bundestagsabgeordnete und -kandidatin der SPD für den Wahlkreis Göppingen, besuchte den Standort der Vinzenz von Paul gGmbH Soziale Dienste und Einrichtungen. Sie unterhielt sich mit Regionalleiter Simon Unrath, mit Pflegedienstleiterin Karin Tardif-Weiss und weiteren Mitarbeitern der Tagespflege St. Johannes. Frau Baehrens wurde begleitet von den beiden SPD-Gemeinderäten Thomas Wolff und Hans-Jürgen Digel.

 

Woran liegt es, dass die Tagespflege so wenig bekannt ist? Wie muss ein Beratungsangebot aussehen, damit es von den Menschen angenommen wird? Das waren nur zwei von vielen Fragen, die in einer guten Stunde mit der Abgeordneten erörtert wurden. Im Austausch mit Baehrens, die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion ist, ging’s aber auch um komplizierte Abrechnungsverfahren bei der Pflegeversicherung, um bürokratischen Aufwand und Verbesserungen, die durch zähe Gesetzesverfahren verzögert werden. „Das blockiert uns“, sagte Unrath. Ein Beispiel dafür sei, dass im eigenen Unternehmen ausgebildete ausländische Fachkräfte, die eigentlich sofort anfangen könnten, oft lange auf ihre Arbeitserlaubnis warten müssten. Ein anderes Problem: Es komme vor, dass Schüler die dreijährige Pflegeausbildung machen wollen, „aber dann gibt es keine freien Schulplätze mehr“. 

 

Beides fand auch Heike Baehrens erschreckend. In diesen Fällen sei aber „nicht das Gesetz das Problem, sondern die Umsetzung des Gesetzes“ auf Landesebene. Andere Punkte betrafen dagegen durchaus die Bundespolitik: Die kritischen Anmerkungen der Praktiker zur neuen generalistischen Ausbildung zum Beispiel, oder der Ärger über die Finanzierungsumlage für die Ausbildung. Dass diese letztlich von den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen bezahlt werden müsse, „halte ich für einen totalen Skandal“, stimmte Baehrens zu. Sie hatte am Ende eine ganze Reihe von verheißungsvollen Botschaften im Gepäck, die dem SPD-Programm für die Bundestagswahl entnommen waren. Ein Rundgang durch die Räume der Tagespflege schloss sich an. Nach dem Abschied aus St. Johannes ließ Heike Baehrens es sich dann nicht nehmen, fast mit dem gesamten SPD-Ortsverein noch gemütlich ins Ratscafé einzukehren. 

 
 

Heike Baehrens MdB

Peter Hofelich MdL